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Klimaschutz- und Energieleitlinie
10.11.2010, 20:48 Uhr Übersicht | Drucken

Klimaschutz- und Energieleitlinie im Wortlaut

 
Präambel
 
Bedrohlich ansteigende Energiepreise sowie weltweit sichtbare und fühlbare Klimaveränderungen machen den Klimaschutz, das Sparen von Energie und die Erschließung neuer Energiequellen zu einer der größten Herausforderungen für die Zukunft.
 
Dabei tragen nationale und internationale Institutionen nicht die alleinige Verantwortung. In den Kommunen wird Klimaschutz „gelebte Realität“, wie es in einer politischen Erklärung der Kommunalen Spitzenverbände und der Bundesregierung vom 19. Juni 2008 heißt.


Für die einzelnen Bürgerinnen und Bürger mag Klimaschutz eine abstrakt erscheinende Herausforderung sein. Sie und die privaten Unternehmen werden aber inzwischen mit Energiepreisen konfrontiert, die für viele eine hohe Belastung darstellen. Deshalb muss es darum gehen, den Energieverbrauch zu verringern sowie Energiequellen zu erschließen, die kostengünstiger als fossil erzeugte Energie sind und die zugleich helfen, einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
 
Die Stadt Speyer definiert mit dieser Energie- und Klimaleitlinie in Gestalt von Bausteinen konkrete, in sich aufeinander abgestimmte Ziele, die für die Stadtentwicklung maßgeblich sein sollen. Zentraler Akteur bei der Umsetzung dieser Ziele ist die Stadtwerke Speyer GmbH. Sie soll dabei eigene Maßnahmen durchführen, zugleich aber auch für private Haushalte und Gewerbetreibende eine Plattform sein, die kompetent berät und unterstützt. Die Maßnahmen sollen für Bürger und Unternehmen wirtschaftlich darstellbar sein, sie sollen bezüglich der CO²-Reduzierung und der Abkopplung von fossilen Energieträgern bewertbar sein und in eine Gesamtbilanzierung einfließen.

Mit dem in Meseberg Ende 2007 beschlossenen Integrierten Energie- und Klimaprogramm (IEKP) hat die Bundesregierung deutliche Zeichen gesetzt. Das Ziel ist, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2020 um 40 % gegenüber dem Stand von 1990 zu senken. Die flankierenden Gesetze und Verordnungen zur Steigerung der Energieeffizienz, zur Verdoppelung der Kraftwärmekopplung und zum verstärkten Einsatz von regenerativen Energien (zum Beispiel EnEV, EEWärmeG, KWKG, EEG) sollen dabei Grundlage der Maßnahmen auf kommunaler Ebene sein. Die dafür von EU, Bund und Land eröffneten Fördermöglichkeiten sollen so weit wie möglich genutzt werden.
 
Zur weiteren Konkretisierung der nachfolgenden Bausteine soll von externer Seite ein Masterplan erstellt werden. Dieser soll nicht nur die für Speyer anzustrebenden Klimaschutz- und Energieprojekte hinsichtlich ihres Nutzens und ihrer Kosten näher beschreiben, sondern auch ermitteln, für welche Einzelprojekte eine finanzielle Förderung aus EU-, Bundes- und Landesmitteln in Betracht kommt. Eventuelle Förderanträge sind in einem weiteren Schritt von dem Ersteller des Masterplans vorzubereiten.
 
 
Baustein 1
 
Die Nutzung von vorhandener Kraftwerks- und Industrieabwärme über den Auf- und Ausbau von Wärmenetzen für den Gebäude- und Prozesswärmebedarf auf niedrigeren Temperaturstufen soll Vorrang vor der Errichtung neuer Wärmeerzeugungsanlagen haben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die jeweilige Wärmeauskopplung wirtschaftlicher darzustellen ist als der Neubau geeigneter Kraftwärmekopplungsanlagen.
 
 
Baustein 2
 
Das vorhandene Fernwärmenetz ist auf weitere Verdichtungsmöglichkeiten zu untersuchen. Den noch nicht angeschlossenen Kunden sind gezielt Angebote im Zusammenhang mit einer objektbezogenen Energieberatung zu unterbreiten.
 
Im zweiten Schritt soll der Wärmebedarf und die augenblickliche Art der Wärmeerzeugung objektbezogen im sonstigen Versorgungsgebiet untersucht werden.
 
In Gebieten mit vorhandener Erdgasversorgung soll dann, wenn in absehbarer Zeit Versorgungsleitungen ausgewechselt werden müssen, ein Anschluss an die vorhandene Fernwärme- beziehungsweise Nahwärmeversorgung geplant werden.
 
Bei Bedarf sind neue wirtschaftliche Wärmeinseln zu konzipieren.
 
Die vorgenannten Maßnahmen sind in einem Generalausbauplan straßen- und grundstücksbezogen darzustellen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind ebenfalls in einem Mehrjahresplan abzubilden.
 
 
Baustein 3
 
Das Versorgungsgebiet ist auf weitere Standorte zu untersuchen, an denen aus regenerativen Einsatzstoffen (Holz/Energiepflanzen, Biogas, Sonnenenergie, Geothermie, Abwasserwärme usw.) Wärmebedarf gedeckt werden kann, für den bisher Strom, Öl, Gas oder Kohle zum Einsatz kommen.
 
 
Baustein 4
 
An allen Wärmebedarfsstandorten ist zu prüfen, ob eine kraft-wärme-gekoppelte Wärmeerzeugung wirtschaftlich zum Einsatz kommen kann. Dabei soll die gesamte Palette vom Mini-Blockheizkraftwerken („Strom erzeugende Heizungen“) in Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie Gewerbebetrieben bis hin zum Kraftwerk/Blockheizkraftwerk in der Industrie und Fernwärmeversorgung geprüft werden. Die Stadtwerke Speyer sollen über die bloße Beratung hinaus auch Contractingmodelle und die gemeinsame Steuerung der Einzelanlagen in Form eines sogenannten „virtuellen Kraftwerks“ anbieten.
 
 
Baustein 5
 
Die Nutzung der Sonnenenergie zur Wärmeerzeugung durch Solarthermieflächen auf geeigneten Dächern gekoppelt mit anderen Wärmeerzeugern und Warmwasserspeichern soll in möglichst wirtschaftlicher Größenordnung weiter ausgebaut werden. Modell kann dafür das Energiekonzept für das Gelände des ehemaligen Schlachthofs am Mausbergweg sein. Geeignete Dachflächen und Wärmeverbraucher in der Nähe sind in einem Solarpotentialkataster zu erfassen.
 
 
Baustein 6
 
Auch die Nutzung der Sonnenenergie zur Stromerzeugung ist weiter auszubauen. Die Stadtwerke sollen private Haushalte und Gewerbetreibende bei der Umsetzung eigener Projekte unterstützen oder die Anmietung der Dachflächen für Investition und Betrieb durch die Stadtwerke selbst anbieten. Geeignete Dachflächen sind in das Solarpotentialkataster aufzunehmen. Besonders große Flächen in Wohngebieten und Industrieanlagen sind aus wirtschaftlichen Gründen bevorzugt zu einer Großanlage zusammenzufassen.
 
Die Finanzierung der Bausteine 5 und 6 kann mit Eröffnung eines „Solarfonds Dächer als Kraftwerke“ beschleunigt werden. Es wäre auch die Auflage eines „Klimaschutz- und Energiefonds“ für die Mischfinanzierung aller Bausteine denkbar. Die Möglichkeit zu einer finanziellen Einbindung der Bürger verstärkt deren Identifikation mit dem Energie- und Klimakonzept der Stadt Speyer.
 
 
Baustein 7
 
Bei erfolgreicher Suche nach wirtschaftlich geeigneten Windkraftstandorten in der Region soll durch Investitionen in Windkraftanlagen der Anteil des regenerativ erzeugten Stroms in der Verbrauchsbilanz der Stadt Speyer erhöht werden. 
 
 
Baustein 8
 
Die Erzeugung von Wärme aus oberflächennaher Geothermie, Wasser oder Luft mit Wärmepumpensystemen soll ausgebaut beziehungsweise unterstützt werden. Geeignete Objekte oder Gebiete sind in ein Flächenkataster aufzunehmen. Die Beteiligung an geothermischen Tiefenbohrungen in der Region sollte projektbezogen betrachtet werden.
 
 
Baustein 9
 
Die bereits laufende Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf modernste, Strom sparende Leuchtmittel bei altersbedingtem Austausch von Masten ist mit dem Ziel, den Stromverbrauch um ca. 70 bis 80% zu reduzieren, systematisch fortzuführen.
 
 
Baustein 10
 
Zur Steigerung der Energieeffizienz sind gezielte Energieberatungsaktionen durch die Stadtwerke zu organisieren.
 
Für die Haushalte, Gewerbe- und Industriebetriebe sind unterschiedliche Konzepte zur Anwendung zu bringen.
 
Für die Gewerbe- und Industriekunden können von den Stadtwerken bereits im Einsatz befindliche Energie-Bilanzanalysen mit dem Ziel einer Steigerung der Energieeffizienz durchgeführt werden. Daraus lassen sich für jeden Betrieb individuelle Maßnahmen ableiten.
 
Für die privaten Haushalte sind mehrere Energieberater besonders in den Bereichen Energie sparende Geräte im Haus, regenerative Energieerzeugung und Bausubstanz zu schulen. Ähnlich der Energie-Bilanzanalyse in Unternehmen sollen Datenblätter entwickelt und an die Kunden zum Beispiel auf Wohngebietsveranstaltungen verteilt werden. Damit sollen möglichst viele Kunden erreicht werden. Die Bögen sollen anschließend eingesammelt, ausgewertet und an die Kunden mit gezielten Hinweisen zurückgegeben werden.
 
Ergänzend sind zeit- und budgetbegrenzte Maßnahmen der Stadtwerke zu prüfen, die den privaten Haushalten einen Anreiz zum Kauf von Energie sparenden Haushaltsgeräten geben.
 
Das Handwerk, die Interessenvertretung der Haus- und Grundeigentümer und die Wohnungsbaugesellschaften sollen in die Energieberatungsaktionen eingebunden werden.
 
Für die stadteigenen Liegenschaften soll künftig die Richtlinie „Energieeffizientes Bauen und Sanieren“ des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) und damit das Ziel gelten, besser zu sein als die Energieeinsparverordnung vorgibt.



aktualisiert von Jörg Zehfuß, 10.11.2010, 20:55 Uhr

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