Unter dem 26.01.2013 beantragt die CDU-Fraktion für die Ratssitzung v. 07.02.2013 die Prüfung einer Umgestaltung öffentlicher Grünflächen nach dem Modell "Essbare Stadt":
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
wir bitten, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Stadtratssitzung zu nehmen:
Die Verwaltung wird beauftragt, zu prüfen, wo und in welchem Umfang nach dem Vorbild von Städten wie Andernach und Kassel in Speyer Grünflächen nach dem Modell „Die essbare Stadt“ genutzt werden können. Dabei ist insbesondere zu prüfen, wie interessierte Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Schulen und Kindertagestätten für ein solches Projekt gewonnen werden können.
Begründung:
Öffentliche Grünflächen bestehen meist aus Rasenflächen, Blumenbeeten und Bäumen ohne essbare Früchte. Sie laden zum Spazieren ein, zum Teil zum Sitzen und Spielen, aber in erster Linie sind sie für das Auge gemacht. In verschiedenen Städten gibt es inzwischen eine Bewegung mit dem Ziel, Grünflächen auch für Geruch und Geschmack erlebbar machen. Dementsprechend werden Bereiche ausgewählt, in denen heimische Bäume wachsen, die Früchte tragen, Bereiche, in denen Gemüse und essbare Wildkräuter angepflanzt werden oder in denen Wildblumen blühen. Grünflächen werden dadurch nicht nur optisch attraktiver, sondern sie werden zu lebendigen Beispielen für Nachhaltigkeit, für Artenvielfalt und für Gemeinschaftssinn. So wird die Idee der „essbaren Stadt“ beschrieben, wie sie inzwischen in verschiedenen Städten umgesetzt wurde.
Angeregt auch durch Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern kommt aus der Speyerer CDU der Vorschlag, auch in Speyer das Modell „Die essbare Stadt“ auf den Weg zu bringen. Das wird sicherlich nur schrittweise möglich sein, vornehmlich im Rahmen anstehender Umgestaltungsmaßnahmen oder bei anstehenden Neuanlagen von geeigneten Grünflächen. Es lassen sich aber sicherlich auch an unterschiedlichen Standorten eher unscheinbare kleine Flächen finden, die entsprechend der Idee der „essbaren Stadt“ genutzt werden können. Ein Beispiel, das genau dieser Zielsetzung entspricht, nämlich der Garten auf dem Gelände der Burgfeldschule, wurde jüngst mit dem Umweltpreis der Stadt Speyer ausgezeichnet.
Entsprechend gestaltete Grünflächen fördern, wie bereits erwähnt, nicht nur die biologische Vielfalt, sondern den Gemeinschaftssinn, wenn sie nicht einfach „für“ Bürgerinnen und Bürger hergestellt werden, sondern „mit“ ihnen beziehungsweise „von“ ihnen. Sie können in Wohngebieten entstehen, wo sich Anwohner um ihre Pflege kümmern, an Schulen, an Kindertagesstätten oder auch an zentralen Orten in der Stadt. Die „essbare Stadt“ lebt vom Mitmachen, von bürgerschaftlichem Engagement und einer neuen Form des „Gebrauchens“ von öffentlichem Grün, wie die Projektidee in Andernach beschrieben wurde. „Pflücken erlaubt“ tritt dort an die Stelle des aus der Vergangenheit gut bekannten „Betreten verboten“.
Auf den ersten Blick mögen diese Formulierungen etwas idealistisch erscheinen, oder es mag die Frage der Finanzierbarkeit gestellt werden. Deshalb halten wir es für sinnvoll, zunächst einmal dort Anregungen zu finden und Erfahrungen zu sammeln, ob die Idee „essbare Stadt“ schon realisiert wurde. Dafür kommen verschiedene Städte in Betracht, zum Teil auch Großstädte. Besonders geeignet könnte als Anschauungsobjekt aber die Stadt Andernach sein, die kleiner ist als Speyer, es aber mit überschaubarem finanziellem Aufwand und mit vielfältigem bürgerschaftlichem Engagement geschafft hat, das bundesweit wohl am meisten beachtete Modell für eine innovative ökologische Stadtgestaltung zu verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Gottfried Jung
Fraktionsvorsitzender