Für die Nutzung von Abwasserwärme zur Energiegewinnung gibt es in Speyer eine realistische Chance. Nach einer ersten Prüfung kommen dafür aus der Sicht der Stadtwerke verschiedene Standorte in Betracht. Das ist das Ergebnis einer Anfrage der CDU-Stadtratsfraktion in der Stadtratssitzung vom 30.08.2007.
Abwasser ist eine weitgehend ungenutzte Energieressource, die nicht nur langfristig gesichert, sondern erneuerbar und lokal vorhanden ist. Anlagen zur Abwasserwärme-Nutzung als Energiequelle sind in Deutschland erst vereinzelt zu finden. Demgegenüber ist in der Schweiz die thermische Ressource „Abwasser“ als ökoeffizient nutzbar anerkannt. Bereits mehr als ein Dutzend Anlagen werden dort wirtschaftlich betrieben. In Deutschland hat Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland das Potential zur Energiegewinnung aus Abwasser systematisch untersuchen lasen.

Angesichts gestiegener und tendenziell weiter steigender Erdöl- und Gaspreise erlebt nun die Abwasserwärme-Nutzung eine Renaissance. Im Jahresverlauf bewegt sich die Abwassertemperatur zwischen 10 und 20 C. Abwasser ist deshalb eine ideale Wärmequelle für den Betrieb von Wärmepumpen. Gegenüber der Ölheizung läst sich obendrein eine CO 2-Einsparung von über 40 % erzielen.
Dass Abwasser-Energieanlagen nicht nur nachhaltig, sondern in vielen Fällen auch wirtschaftlich sind, zeigt sich aber erst, wenn eine Vollkostenrechnung erstellt wird und nicht
nur die Investitionskosten betrachtet werden. Unter Kostengesichtspunkten vorteilhaft ist natürlich der Einbau von Wärmetauschern im Kanal bei der Durchführung von Kanalerneuerungsmaßnahmen. Deshalb ist es aus der Sicht der CDU-Stadtratsfraktion erforderlich, unter diesen Gesichtspunkten Grundstückseigentümer frühzeitig auf in Aussicht stehende Kanalsanierungsmaßnahmen aufmerksam zu machen.
Da im Sommer Abwasser auch zum Kühlen genutzt werden kann, indem die Wärmepumpe in diesem Fall als Kältemaschine betrieben wird, lassen sich erforderliche Investitionen an klimatisierten Standorten wesentlich besser nutzen. Deshalb sollte eine solche Lösung auch im Zusammenhang mit gewerblichen Objekten näher betrachtet werden.
Nach Auffassung der CDU-Stadtratsfraktion könnte das Abwasser als lokale Energieressource ein weiterer Baustein dafür sein, die Position der Stadtwerke als lokaler Energieversorger zu stärken. Es lohnt sich insoweit, die Energiegewinnung aus Abwasser weiter zu diskutieren.