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CDU beantragt weitgehende Naturwaldentwicklung im südlichen Auwald

Unter dem 11.12.2014 beantragt die CDU-Fraktion eine weitgehende Naturwaldentwicklung im südlichen Auwald.
Pflegemaßnahmen sowie Maßnahmen Verbesserung der  ökologischen Qualität sollen zulässig sein und sind gewünscht.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

wir bitten, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Stadtratssitzung am 11. Februar zu nehmen:

Im Forsteinrichtungswerk 2015 - 2025 ist für den südlichen Auwald eine weitgehende Naturwaldentwicklung festzulegen. Maßnahmen zur Verkehrssicherung entlang des Rheinhauptdeichs und entlang der Wege sollen zulässig sein. Maßnahmen der Hege und Pflege, insbesondere zur Wiederherstellung, zum Erhalt und zur Verbesserung der ökologischen Qualität von nicht mehr naturnahen Flächen, sind mit dem Ziel der weitestgehenden Erhaltung bzw. Wiederherstellung einer naturnahen Hartholzaue ebenfalls zulässig Sie bedürfen, möglichst auf der Grundlage eines Jahresprogramms, nach Anhörung des Naturschutzbeirats der Zustimmung des Umweltausschusses.

Die Verwaltung wird beauftragt, mit dem Land über die Begleitung der Naturwaldentwicklung durch ein Monitoring zu verhandeln, das entweder im Auftrag des Landes oder mit finanzieller Förderung durch das Land im Auftrag der Stadt durchgeführt wird.

 

Begründung:

Die Stadt Speyer verfügt über eine Waldbetriebsfläche von insgesamt 1 017 ha. Der im Eigentum der Stadt stehende südliche Auwald hat eine Betriebsfläche von 149 ha und eine Gesamtfläche einschließlich Wiesen von etwa 170 ha. Von der Betriebsfläche im Auwald waren 1997 nur noch 60 ha in einem naturnahen Zustand und 2014 nur noch 45 ha. Die EU hat auf Antrag der Landesregierung den Speyerer Auwald als FFH-Gebiet und als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Das Ziel dieser Ausweisung ist die Erhaltung und Verbesserung der dort vorkommenden Lebensraumtypen und Arten.

Bereits im Jahr 2009 wurde ein Teil des südlichen Auwalds, nämlich der obere und untere Hechenich mit einer Fläche von 35 ha, aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen, um dort eine natürliche Waldentwicklung zu ermöglichen.

In der Sitzung des Umweltausschusses am 19.03.2014 wurde das für die nächsten 10 Jahre zu beschließende neue Forsteinrichtungswerk erörtert. Ausgelöst durch diese Sitzung, bei der es unter anderem um die Frage ging, ob der vorstehend geschilderte Stadtratsbeschluss geändert werden müsse, kam es zu einer lebhaften Diskussion über den Auwald. Die CDU-Stadtratsfraktion hat daraufhin eine Sondersitzung des Umweltausschusses mit einem Hearing zur Zukunft des Auwalds beantragt. Diese Sondersitzung fand am 04.12.2014 statt. Bereits in deren Vorfeld hat sich die CDU-Stadtratsfraktion intensiv mit dem Auwald befasst.

Nach sorgfältiger Abwägung der unterschiedlichen Standpunkte und der dazu vorgebrachten Argumente spricht sich die CDU-Stadtratsfraktion dafür aus, dass der Stadtrat beschließen möge, den stadteigenen Auwald während der Dauer des neu aufzulegenden Forsteinrichtungswerks 2015 - 2025 weitgehend einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. In diesem Zeitraum sollte von fachkundiger Seite ein kontinuierliches Monitoring durchgeführt werden, um am Beispiel des Speyerer Auwalds zu untersuchen, wie sich die Struktur des Waldes und die Tier- und Pflanzenwelt verändert. Eine solche langfristige Untersuchung dürfte über Speyer hinaus einen modellhaften Charakter haben. Deshalb setzt die CDU-Stadtratsfraktion darauf, dass das Umweltministerium bereit ist, dieses Monitoring selbst in Auftrag zu geben oder zumindest in angemessener Weise zu bezuschussen.

Vorbehalten bleiben müssen im Einzelfall Eingriffe in den Auwald, die aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht entlang der Waldwege notwendig sind oder aus Gründen des Hochwasserschutzes. In der DIN 19712 ist geregelt, dass ein 5-Meter-Streifen entlang des Deichfußes von Bewuchs freigehalten werden muss, um den Deich zu schützen. Die an den Deichschutzstreifen angrenzenden Bäume müssen einer regelmäßigen Kontrolle unterzogen werden, und es ist  dafür Sorge zu tragen, dass erkennbare Gefahren durch einzelne Bäume für den Deich vermieden werden. Diese Verpflichtung stellt jedoch aus der Sicht der CDU-Stadtratsfraktion das grundsätzliche Ziel einer Naturwaldentwicklung nicht infrage.

Zulässig und sogar wünschenswert sind desweiteren Maßnahmen der Hege und Pflege – vor allem auch auf Grund von Erkenntnissen aus dem  Monitoringprozess. Sie haben dem Ziel der weitestgehenden Erhaltung bzw. Wiederherstellung einer naturnahen Hartholzaue zu dienen. Sie sollen aber nur nach vorheriger Anhörung des Naturschutzbeirats und nach Zustimmung des Umweltausschusses erfolgen. So sind zum Beispiel ökologische Verbesserungen durch gezielte Nachpflanzungen in Bereichen denkbar, die sich durch frühere Bewirtschaftungsmaßnahmen nicht mehr in einem naturnahen Zustand befinden. Um solche Maßnahmen finanzieren zu können, kommt das Instrument des Ökokontos in Betracht.

Die natürliche Weiterentwicklung des stadteigenen Auwalds bedeutet keineswegs, dass er nicht mehr für Waldbesucher zugänglich sein wird. Solche Besorgnisse, die es offenbar zum Teil in der Bürgerschaft gibt, sind unbegründet. Es ist wünschenswert, dass viele Bürgerinnen und Bürger die Einzigartigkeit der weitgehend sich selbst überlassenen Natur im Auwald erleben. Auch für Besucher der Stadt können fachkundige Führungen durch den Auwald eine lohnende Erweiterung der bisherigen Angebotspalette sein. Wir würden es begrüßen, wenn in Kooperation mit Naturschutzverbänden die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt im Auwald durch einzelne (interaktive) Schautafeln dargestellt würden.

Ein solches FFH- und Vogelschutzgebiet passt zu dieser Stadt, die sich im Interesse des Klimaschutzes mit „Speyer 100% regenerativ“ ein anspruchsvolles Ziel gesetzt hat. Der Auwald kann gewissermaßen der „Nationalpark“ der Speyerer sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Gottfried Jung
Fraktionsvorsitzender