Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 10. Juni 2008 dem Vorhaben, eine Synagoge in Speyer zu errichten, zugestimmt. In der Debatte des Stadtrats gab die stellvertretende Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion, Heike Häußler, folgende Erklärung ab:
“Speyer“ – so sagte Avi Primor, der ehemalige israelische Botschafter bei seinem ersten Besuch in unserer Stadt – „Speyer, das lernen wir in der Schule, das muss uns niemand erklären.“
Speyer mit seinem Ritualbad und den Resten der mittelalterlichen Synagoge ist den gläubigen jüdischen Menschen in aller Welt ein Begriff.
Es heißt, dass die ehemalige Synagoge Speyer für Juden einen höheren Rang einnimmt, als der Kaiserdom für die Christen.
Bedeutende Dome der verschiedensten Epochen gibt es viele, unsere mittelalterliche Synagoge ist einzigartig in Europa.
Daran mögen Sie ablesen, welch ein außergewöhnliches kulturgeschichtliches Kleinod wir mit dem Judenhof-Areal besitzen, selbst wenn uns das vor Ort nicht immer so bewusst ist.
Der Judenhof ist durchaus eine touristische Attraktion und zugleich auch ein Ort von tiefer religiöser Bedeutung. 70.000 Besucher in der 7-monatigen Saison sprechen eine deutliche Sprache. Ich räume ein, dass darunter Touristen sind, die das Judenbad wie jedes andere baugeschichtliche Zeugnis der Vergangenheit durchlaufen, aber,
- das kann ich aus fast 20-jähriger Erfahrung in der Betreuung des Judenhofes sagen - es kommen auch erstaunlich viele, sehr gut informierte Menschen aus aller Welt, die Speyer gezielt besuchen und genau wissen, dass dieses ein ganz besonderer Ort ist.
Es sind daher die Bemühungen der drei so genannten SCHUM-Städte Worms, Mainz und Speyer ausdrücklich zu begrüßen, ihre jüdischen Kulturstätten zum Weltkulturerbe erheben zu lassen und damit der fast tausendjährigen gemeinsamen jüdischen Geschichte Rechnung zu tragen.
Ich möchte zugleich anmahnen, dass es im Judenhof noch einiges zu erledigen gibt, ehe wir dem Anspruch eines Welterbes gerecht werden können.
Meine Damen und Herren, es jährt sich zum 70. Mal der Tag, an dem im Namen der Deutschen Nation den Menschen jüdischen Glaubens ihre Synagogen genommen wurden. Dieses schreckliche Unrecht kann niemand wieder gut machen. Aber wir können heute unseren Mitbürgern ein Stück Identifikation und religiöser Heimat zurückgeben.
Es haben sich in den letzten Jahren langsam, aber stetig wieder jüdische Gemeinden in der Region etabliert. (Die Kultusgemeinde Rhein-Pfalz hat bereits etwa 600 Mitglieder) Die Speyerer Gemeinde umfasst inzwischen mehr als 80 Personen, die ihre Religion in einer Synagoge aktiv ausüben möchte und einen Ort für ihre Begegnungen braucht.
Wir Speyerer können dabei nur gewinnen, wenn wir die kulturelle Vielfalt unserer Bürgerschaft fördern und unterstützen.
Es fällt uns allen gewiss nicht leicht, über den hier anstehenden Barzuschussbetrag von 475.000 Euro zuzüglich dem Grundstückstausch zu beschließen, deshalb, weil so viele andere wichtige Projekte anstehen, die so schwierig zu finanzieren sind. Aber es tragen ja mehrere Stellen entscheidend zu dem Vorhaben bei und es ist sicher angemessen, dass sich auch die Stadt Speyer daran beteiligt.
Wir haben heute die Chance, den Kreis zu schließen zwischen der großen historischen Vergangenheit und dem heutigen Speyer, indem wir den jüdischen Mitbürgern mit einer neuen Synagoge ein aktives Gemeindeleben ermöglichen helfen.
Einer Stadt von der Bedeutung Speyers mit dieser besonderen Beziehung zum Judentum steht es gut an, sich für eine neue Synagoge einzusetzen. Die CDU-Fraktion möchte mit helfen, dass das Vorhaben gelingt.
Ich bitte Sie um Ihre Zustimmung.